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Referenzen: Elastic Grasp Honest Truth

Odin (Wuerzburg) - 3 Alben



Wer oder was ist ODIN?
Diese Fragestellung führt nicht in die nordische Mythologie bzw. in die Welt der Germanengötter. Nein! Gegenstand der Betrachtung ist eine der fähigsten aber auch Geheimnis umwitterten Rockbands, die es Anfang der 70er Jahre in Deutschland gegeben hat. Wer kann die Geschichte dieser außergewöhnlichen Band erzählen? Die einschlägigen Werke zum Progressivrock und/oder Krautrock (Tapestry of Delights, Cosmic Dreams at Play, A Crack in the Cosmic Egg) geben keine genauen Auskünfte bzw. liegen teilweise sogar falsch. Es fällt schwer, die Band richtig einzuordnen, noch nicht einmal eine eindeutige Zuordnung zu einem Land ist möglich. Hier der Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen:

Erster Akt: Keyboarder Jeff Beer, Bayern, trifft Gitarrist Rob Terstall, Holland. Jeff Beer, 18 Jahre alt, soeben von seiner ostbayerischen Heimat nach Regensburg umgezogen, um dort an der BOS das Abitur nachzuholen. Findet als Organist mit seiner neuen Band, der 3-Mann-Formation Elastic Grasp, sofort Anschluß an die Regensburger Szene, mit der er, kaum gegründet, auf Anhieb die „Goldene Gitarre“, den traditionellen Regensburger Jazz- und Rockpreis gewinnt. Jeff, erst verhältnismäßig spät zur progressiven Musik gestoßen, hatte sich in seinen ersten Bands als Gitarrist neben eigenen Stücken vor allem mit Hendrix- und Clapton-Soli auseinandergesetzt, bevor er mit 16 Jahren auf eine große Hammond-Orgel umstieg, um schon bald mit Nice- und Jimmy-Smith-Interpretationen auf sich aufmerksam zu machen. Seine damaligen Vorbilder sind Bela Bartok, Igor Strawinsky und Frank Zappa. Improvisation erscheint ihm genau so wichtig wie völlig durchkomponierte Stücke. Er träumt von einem umfassenden Musikstudium.

Rob Terstall, 8 Jahre älter als Jeff, klassisch ausgebildet mit 3jährigem Gitarrenstudium in Amsterdam, reichlich mit Banderfahrung ausgestattet, zu der Zeit allerdings ohne feste Gruppe, hält sich 1971 zufällig längere Zeit bei Freunden in Regensburg auf. Beide Musiker kommen ins Gespräch, und Jeff bietet Rob an, bei Elastic Grasp einzusteigen. Die Formation bleibt allerdings nur kurze Zeit zusammen, da die Interessen der anderen Musiker, die reine Amateure sind, sich bereits vorher so weit auseinanderentwickelt hatten, dass eine Trennung unvermeidlich ist. Im Sommer 1971 beschließen Jeff und Rob eine neue Band zu gründen, eine Profiband.

Zweiter Akt: Jeff und Rob treffen die englischen Musiker Ray Brown (Bass) und Stuart Fordham (Drums).
Ray und Stuart sind bereits ein eingespieltes Team, bevor sie sich mit Rob zu Honest Truth formieren. Ray‘s musikalische Laufbahn beginnt in den 60ern in einer der zahlreichen weißen Soul-Bands. Stuart ist ein anerkannter Studio- und Session-Drummer in London und hat u.a. die Walker Brothers auf Tournee begleitet. Honest Truth, die Band, in der Rob mit Ray und Stuart spielte, von deren legendären Auftritten auch Jeff schon durch Erzählungen anderer Musiker gehört hatte, löste sich nach einer Pechsträhne auf (der Organist verstirbt, die Anlage wird gestohlen). Ray und Stuart sind in ihre Heimat nach England zurückgekehrt. Rob und Jeff machen sich auf den Weg nach London. Bereits zuvor war es Rob per Briefwechsel gelungen, Ray und Stuart zur Arbeit in einer neuen Band mit dem jungen Organisten Jeff Beer zu motivieren. Nach einer ersten erfolgreichen Testphase in Schweinfurt beziehen die vier Musiker im kleinen Dorf Gaukönigshofen – unweit von Würzburg, wo Jeff inzwischen nach bestandener Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Musikhochschule Komposition, Klavier und Perkussion studiert – ein ländliches Refugium, um dort den Neustart vorzubereiten.

Dritter Akt: Aufstieg und Niedergang
Innerhalb kurzer Zeit spielen sich die 4 Musiker musikalisch und persönlich aufeinander ein, mit einer regelrechten Spiel-
wut, im Wissen, dass sie es mit ihrer Musik schaffen können. Schon die ersten Auftritte erweisen sich als sehr vielversprechend.
Die Gruppe findet zunehmend Gelegenheit, ihr Können in zahlreichen regionalen und überregionalen Clubs unter Beweis zu stellen. Die dabei entfachte Begeisterung trägt die Band zu gemeinsamen Auftritten u.a. mit Brian Augers Oblivion Express, Beggars Opera, Manfred Mann‘s Earth Band und Atomic Rooster. Presseberichte aus der damaligen Zeit geben Aufschluss darüber, dass ODIN nicht nur mit diesen international bekannten Bands mithalten kann, sondern zumindest gleichberechtigt ist. Unbestrittene Höhepunkte ihrer musikalischen „Live-Karriere“ sind die Auftritte auf dem Würzburger Pop-Festival am 08./09. Juli 1972 (u.a. mit Joe Cocker, Jeff Beck Group, Hardin & York, Alexis Korner, Nazareth, Juicy Lucy, Golden Earring), sowie auf dem Rockfestival in Scheeßel am 08./09. September 1973 (u.a. mit Chicago, King Crimson, Soft Machine, Lou Reed, Buddy Miles, Chuck Berry, Ten Years After, Nucleus), wo sie es vor einem Publikum von mehr als 35.000 Menschen auf mehrere Zugaben bringen. Die hervorragenden Live-Qualitäten der Band führen schließlich dazu, dass auch die Label-Manager der Schallplattenfirmen auf die Band aufmerksam werden. Bei Szene-Kennern unvergessen ihre Auftritte im Frankfurter „Zoom“, die unter Anwesenheit des seinerzeit eigens eingeflogenen Label-Managers Jimmy Boyks von Phonogram, der bereits Demo-Tapes von ODIN gehört hatte, den Grundstein für ihren späteren Schallplattenverlag legen. Die Band unterzeichnet schließlich bei der Plattenfirma Vertigo/Phonogram in Hamburg einen Plattenvertrag und nimmt schon im September 1972 im Hamburger Windrose-Dumont-Time-Studio ihre erste und einzige LP auf, die Anfang 1973 auf den Markt kommt. Trotz guter Kritiken in den Zeitungen, u.a. Sounds (5/73) und Musikexpress (4/73) sind die Verkäufe eher bescheiden. Zur Steigerung des Bekanntheitsgrades und auch ihrer Reputation tragen die Aufnahmen am 2. Februar 1973 im Studio U 1 des Südwestfunks in Baden-Baden bei. ODIN spielen 4 Titel ein, die sämtlich im Radioprogramm ausgestrahlt werden. Künstlerischer Aufnahmeleiter war Roland Schaeffer, der als Produzent für den SWF tätig war und seine musikalischen Fähigkeiten selbst als Bandmitglied bei Fashion Pink, Brainstorm und ab 1976 bis heute bei Guru Guru unter Beweis stellt. ODIN bezeichnet das Jahr 1973 als Schicksalsjahr dafür, ob es die Band in Zukunft weiter geben wird. Entscheidend sollen der Erfolg des Albums und die Anzahl der Live-Auftritte sein, die einfach nötig sind, um das Überleben zu sichern.

Phonogram England zeigt an der Musik von ODIN ebenfalls großes Interesse und beabsichtigt, der Band zu einer England-Tournee zu verhelfen, was damals einen ungeheuren Stellenwert hat. Die Nachricht, vermittelt über Phonogram Hamburg, schlägt ein wie eine Bombe. Jeff Beer wird zweimal zu Besprechungen nach England eingeladen und verhandelt sowohl mit der Chefetage von Phonogram England, als auch mit einem von Phonogram hinzugeschalteten Management. Anlässlich eines Londontermins wird auch der legendäre Marquee-Club besucht, der bereits eine feste Station auf der geplanten Tournee gewesen war. Ein eminent wichtiger Schritt zur Etablierung der Band - auch international - scheint bevorzustehen. Das unerwartete Interesse aus England gibt der Band enormen Auftrieb. Als die Verhandlungen fast abgeschlossen sind, kommt die Energiekrise von 1973 dazwischen. Das offizielle Fahrverbot und eine Menge anderer, vom Himmel fallender Schwierigkeiten veranlassen Phonogram England, diese Tour erst einmal auf Eis zu legen. Entsprechend zurückhaltend reagiert plötzlich auch Phonogram Hamburg, mit der bereits ausführliche Gespräche über das 2. Album, an dem die Band schon intensiv arbeitete, geführt worden waren – ein schwerer Schlag für die Band!

Woran es lag, dass eine solch musikalisch hochwertige Formation letztlich den großen Durchbruch nicht schaffte, ist auch aus der Retrospektive schwer zu beantworten. Ob es an unzulänglichen Vermarktungsstrategien der Plattenfirma oder an der Ignoranz eines Großteils des deutschen Publikums lag, eines Publikums, das sich von jeder marktschreierisch angekündigten Gruppe in die Arenen locken lässt, aber Bands, die noch unbekannt sind, kaum eine Chance gibt?!?

Beispielhaft für die mangelnde Resonanz des Publikums, außerhalb der regionalen Clubs, ist, dass trotz Erscheinens der LP auf einem in Fachkreisen sehr bekannten und geschätzten Plattenlabel (Vertigo/Phonogram) ein Auftritt in der Hamburger Fabrik nur ein Publikum von maximal 100 Leuten erreicht. Kein Wunder, dass sich nach der Fülle von Negativerlebnissen in der Band Frustration breit macht, bald der finanzielle Ruin ansteht und ODIN sich schließlich im Mai 1974 auflöst.
(Longhair)

Odin (Wuerzburg)
Live at Maxim CD
1971



01. Oh no (6:34)
02. Man of reason (3:03)
03. Ohio (4:09)
04. Silver dollar (18:55)
05. My guitar wants to kill your mama (4:46)
06. Gemini (8:03)
07. Cinnamon girl (3:31)
08. Little house (4:30)
09. Peaches en regalia (6:07)
10. 21th century schizoid man (10:08)
   

Odin (Wuerzburg)
Odin LP,CD
1972



01. Life is only
02. Tribute to frank
03. Turnpike Lane
04. Be the man you are
05. Gemini
06. Eukalyptus
07. Clown
   

Odin (Wuerzburg)
Odin SWF Session 1973 CD
1973



01. Turnpike Lane (3:34)
02. Life is only (11:22)
03. King Kong (10:38)
04. Oh no (6:30)
   
Bonus track:
05. Make up your mind (live) (13:30)


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