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Faust waren das geistige Produkt des Journalisten Uwe Nettelbeck. Die Idee war es, eine Band zu schaffen, die mit Can und Kraftwerk gleichziehen konnte. 6 nahezu unbekannte Musiker zogen sich, von der Plattenfirma Polydor mit sehr viel Geld gesponsort, für ein Jahr in ein altes Schulhaus in Wümme zurück und schufen 1971 ihr erstes Album "Faust", ein auch nach heutigen Maßstäben außergewöhnliches und verrücktes, damals von der Musikpresse verrissenes, Meisterwerk. Erfolgreich waren sie erst in England mit dem zweiten Album "So Far", wo sie bis Platz 13 in die Charts kamen. Heute gelten sie als absoluter Kult. (Rudi Vogel alias green-brain)
"Faust Tapes" wurde 1973 als erstes Faust-Album des Virgin-Labels zum Preis einer Single veröffentlicht. Es handelt sich um Aufnahmen, die zwischen 1971 und 1973 in Wümme aufgenommen wurden und nicht zur Veröffentlichung gedacht waren. Mit jedem Ton dieses Albums beweisen Faust, dass sie nicht nur von Polydor gesponsorte "Superstars" sondern vor allem begabte und absolut verrückte Musiker waren.
Das erste "Exercise" ist eine experimentelle Improvisation auf dem Piano, das zweite mit Stimmen, Schlagzeug und Saxophon. Das ruhige und melodiöse Stück "Flashback" klingt nach späten Beatles und Pink Floyd. Akustikgitarre, Piano, verträumter Gesang: Klasse. Auf dem nächsten Exercise-Track wird mit Stimmen experimentiert. Ein Knaller ist "J'ai Mal Aux Dents": wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich das für Frank Zappa halten. Über einen simplen aber effektiven Gitarrenriff werden Gesangs- und Sprechcollagen gelegt, mittendrin ist abgedrehtes Saxophon-Solo.
Die anderen Tracks bieten u. a. Anrufbeantworter, Schritte, Haushaltsgeräusche, durchdrehende Synthesizer, Rhythmusteppiche, Harmonien, entarteten Jazz. Das abschließende, nur mit 2 Akustikgitarren gespielte Stück "Chère Chambre", zu dem Peron mal in französischer, mal in deutscher Sprache spricht, ist zum Niederknien schön - auch wenn es sich beim Text offenbar nur um eine Einkaufsliste handelt.
Es fällt mir eigentlich nur ein einziges Album ein, mit dem man dieses wunderbare Album vergleichen kann: "Unlimited Edition" von Can. (Rudi Vogel alias green-brain) |